- Grundsätzliches zum Erstellen einer korrekten HDR-Belichtungsreihe

Es gibt bei digitalen Spiegelreflexkameras eine Funktion die als „Bracketing“ bezeichnet wird. Diese Funktion ermöglicht es eine schnelle 3´er Belichtungsreihe in vorher gewählten Belichtungsabständen zu erstellen. Das mag auf die Schnelle oftmals ausreichen um recht gute und annehmbare Ergebnisse zu erzielen, hat aber mit einer korrekten Belichtungsreihe einer Szene nichts zu tun da es oft vorkommt das man dafür eigentlich mehr als nur die möglichen 3 Einzelbilder beim „Bracketing“ benötigt.

Auch ist es vorteilhafter die Einzelbilder im RAW-Format abzulichten da dieses Format schon mehr Dynamikumfang beinhaltet als das JPEG-Format. Das RAW-Format hat bei einem aufgenommenem Bild einen Belichtungsspielraum von ungefähr +/-2 Belichtungsstufen was bedeutet das man jedes im RAW-Format aufgenommene Bild im RAW-Konverter mit ganzen 2 Belichtungsstufen Unter- oder Überbelichten kann ohne das es grossartig zu Verlusten der Detailinformationen im Bild kommt.

Bei einem Bild welches im JPEG-Format aufgenommen wurde ist dies in diesem Umfang nicht ohne Detailverluste möglich. Das heisst nicht das man mit dem JPEG_Format keine Belichtungsreihe erstellen kann, man sollte dabei nur beachten das die Belichtungsunterschiede zwischen den Einzelbildern nicht zu gross sind, als Empfehlung also höchstens +/- 1 Belichtungsstufen-Unterschiede.

Somit bräuchte man beim JPEG-Format mehr Einzelbilder als bei Verwendung des RAW-Formates.

Auch hat der Ein oder Andere in seinem Kameramenü die verschiedenen Bildparameter wie z.B. Kontrast, Farbe, Schärfe, etc. auf individuelle Werte eingestellt.......das sollte aber für das Erstellen einer Belichtungsreihe alles auf 0 oder Neutral gestellt werden wenn man hierfür das JPEG-Format verwenden möchte. Sollte man sich für das hierfür besser geeignete RAW-Format entscheiden, spielen diese individuell eingestellten Parameter-Werte keine Rolle da die RAW-Datei davon nicht beeinflusst wird.

- Die Durchführung einer Belichtungsreihe

Wichtig : Wenn möglich immer ein Stativ verwenden !

Bei dem Erstellen einer Belichtungsreihe kommt es oft vor das man bei den absichtlich „überbelichteten“ Einzelbildern in Verschlusszeitenbereiche hineinkommt wo nicht mehr verwackelungsfrei aus „freier Hand“ fotografiert werden kann.

Auch hat später die Software beim Zusammenrechnen der Einzelbilder weniger Probleme wenn ein Stativ verwendet wurde und die Einzelbilder dann auch exakt übereinander passen.

Für die Durchführung einer Belichtungsreihe sollten für die entsprechende Szene / Motiv die Einstellungen der Kamera (Blende, ISO, Weissabgleich und Fokus) immer beibehalten werden und dürfen sich nicht verändern ! Das Einzige was für die Einzelbilder verändert wird ist die Belichtungszeit, deswegen bei der Kamera den manuellen Modus „M“ einstellen damit alle anderen Einstellungswerte immer beibehalten werden. Auch am Objektiv besser den Autofokus (AF) auf manuellen Modus (MF) umschalten da die Kamera jedesmal beim Auslösen des jeweiligen Einzelbildes immer wieder neu fokussiert und sich dadurch der Fokuspunkt geringfügig verändern kann was sich folglich negativ auswirken kann.

Für eine genaue Messung der benötigten Belichtungszeiten wenn möglich nun im Kameramenü die Messmethode auf „Spotmessung“ stellen wobei die Kamera hierbei nur ca. 5% des mittleren Bildteiles für die Belichtungsmessung verwendet. Bei einigen Kameras (Einsteigermodelle) ist die Option der Spotmessung nicht vorhanden, hier sollte man die „Selektiv-Messsung“ verwenden da die Kamera in diesem Fall ca. 10% des mittleren Bildteiles für die Belichtungsmessung verwendet.

Anhand eines Beispielbildes werde ich diese Vorgehensweise nun Schritt für Schritt erklären.

Das Bild zeigt eine eher unspektakuläre Szene die aber durchaus einen viel höherer Dynamikumfang besitzt als das er auf einem Einzelbild dargestellt werden könnte

bild 02 - 20

Für diese Szene wähle ich nun beispielsweise Blende 8 und den ISO-Wert 200 aus, der Weissabgleich steht auf „Sonne“ und ich habe manuell fokussiert.

Würde man hiervon ein „normales“ Einzelbild machen hätte die Kamera bei einer „normalen“ Mehrfeldmessmethode eine ungefähre Belichtungszeit von 1/20 Sekunden ermittelt, womit dieses Beispielbild auch abgelichtet wurde.

Das ist die von der Kamera durchschnittlich berechnetet Belichtungszeit damit der Grossteil des Bildinhaltes korrekt belichtet wäre.

Dafür ist nun der Himmel etwas überbelichtet und das schöne Himmelsblau kommt somit gar nicht zur Geltung, genauso wie die etwas dunkleren Bereiche unten an den Bäumen, hier ist es fast zu dunkel um noch feine Details erkennen zu können.

1. Schritt

Nun sollte man damit beginnen die hellste Stelle dieser Szene mit der Kamera „anzumessen“ :

Da die Kamera im manuellen Modus hierbei keine passende Belichtungszeit vorschlägt schalten wir hierzu einfach kurz in den Modus "Zeitautomatik" der Kamera (bei Canon ist es der Modus AV).

Bei vorgewählter Blende 8 und eingestellter Spot- oder Selektiven Messmethode visieren wir nun die hellste Stelle/Bereich im Bild an und drücken nun den Auslöser halbdurch......

Die Kamera zeigt an dieser Stelle nun eine Belichtungszeit von 1/320 Sekunden (bei +/- 0 AEB) an…….die merken wir uns nun. Dies wird unser Startpunkt der Belichtungsreihe sein.

2. Schritt

Dasselbe machen wir nun mit der dunkelsten Stelle/Bereich im Bild :

Wieder anvisieren und den Auslöser halbdurchdrücken......hier zeigt die Kamera eine Belichtungszeit von 1/5 Sekunden an die wir uns nun auch merken. Dies ist im übrigen unser Endpunkt der Belichtungsreihe.

Hier sind im normalen Bild einmal die Bereiche markiert die zum Anmessen verwendet werden müssten/sollten :

- Der hellste Bildbereich ist rot markiert

- Der dunkelste Bereiche / Bereiche sind gelb markiert

bild 02 - 20-stellen

3. Schritt


Da wir nun unsere "Belichtungsstart und Endpunkte" für diese Szene haben können wir anfangen die Belichtungsreihe zu erstellen :

Dazu richtet man die Kamera (auf Stativ) korrekt auf das Motiv/Szene aus und wechselt wieder in den manuellen Modus (M) der Kamera.

Blende und ISO sollten noch die ursprünglichen Werte besitzen und wir drehen nun soweit am Einstellrad für die Belichtungszeit bis die vorher gemerkte Belichtungszeit von 1/320 Sekunden eingestellt ist.

Die Schärfe-Kontrolle nicht vergessen, einmal manuell Fokussieren und für die weiteren Bilder nicht mehr verstellen.

Das 1. Bild wird ausgelöst und somit haben wir ein unterbelichtetes Bild welches die hellen Bereiche korrekt darstellt.

Unser 1. Bild bei 1/320 Sekunden :

bild 04 - 320

Da wir die Einzelbilder im RAW-Format ablichten können wir nun Belichtungsunterschiede von 2 Stufen vornehmen.

Unsere Kameras stellen i.d.R. die Belichtungsstufen folgendermassen dar wobei jeder Punkt eine Drittelstufe ist :

-2 . . 1 . . 0 . . 1 . . 2+

Die ganzen verfügbaren Belichtungszeiten in der Kamera in Sekunden lassen sich so darstellen (Drittelstufen) :

.... 1/4 - 1/5 - 1/6 - 1/8 - 1/10 - 1/13 - 1/15 - 1/20 - 1/25 - 1/30 - 1/40 - 1/50 - 1/60 - 1/80 - 1/100 - 1/125 - 1/160 - 1/200 - 1/250 - 1/320 - 1/400 - 1/500 - 1/640 - 1/800 - 1/1000 - ......usw.

Unsere Start und Endpunkte eingefügt würden dann so aussehen (grün markiert) :

1/4 - 1/5 - 1/6 - 1/8 - 1/10 - 1/13 - 1/15 - 1/20 - 1/25 - 1/30 - 1/40 - 1/50 - 1/60 - 1/80 - 1/100 - 1/125 - 1/160 - 1/200 - 1/250 - 1/320 - 1/400 - 1/500 - 1/640 - 1/800 - 1/1000

Bei unserem 1. Bild hatten wir ja 1/320 Sekunde, nun um 2 ganze Belichtungsstufen weniger wäre das nächste benötigte Bild bei 1/80 Sekunden.

Also bei diesen Drittelstufen von 1/320 zurückgerechnet : 1/320 - 1/250 - 1/200 - 1/160, wobei nun die 1/160 eine ganze Belichtungsstufe wäre (blau markiert)......da wir aber 2 ganze Belichtungsstufen weiter herunter gehen können : 1/320 - 1/250 - 1/200 - 1/160 - 1/125 - 1/100 - 1/80......das wäre also unser nächstes Bild.

Unser 2. Bild bei 1/80 Sekunden :

bild 03 - 80

Dann gehts weiter.....laut diesen Vorgaben nun von dort wieder 2 Belichtungsstufen weiter herunter und wir sind bei 1/20 Sekunden.

Unser 3. Bild bei 1/20 Sekunden :

bild 02 - 20

.......und wieder weiter heruntergerechnet bis wir mittlerweile bei unserem anfangs angemessenen Bild ankommen wo die Kamera uns die Belichtungszeit von 1/5 Sekunden für die dunklen Bereiche vorgeschlagen hatte.

Zufälligerweise passt diese Belichtungszeit sogar exakt mit der Belichtungszeit überein wenn man von unserem 3. Bild mit 1/20 Sekunden wieder 2 Belichtungsstufen herunterrechnet : 1/20 - 1/15 - 1/13 - 1/10 - 1/8 - 1/6 - 1/5

Unser 4. und letztes Bild bei 1/5 Sekunden

bild 01 - 5

Glückwunsch, nun haben wir unsere komplett und korrekte Belichtungsreihe erstellt um daraus per Software ein HDR erstellen zu lassen welches man anschliessend mit einem Tonemapping individuell gestalten kann !

Für diese Szene benötigten wir 4 Einzelbilder um den kompletten Dynamikbereich ohne Detailverluste in den Lichtern und Tiefen darstellen zu können.

Das dieses Beispielbild nicht grad Spektakuläres für HDR zeigt ist mir natürlich klar, es dient dennoch recht gut zur Erklärung des Prinzips und der Vorgehensweise da es dafür ja vom Motiv unabhängig ist.

Aufgrund der Vielzahl an vorhandener HDR-Software die es dafür gibt gehe ich nun nicht auf die spezielle Bearbeitung, bzw. das Tonemapping ein da es wie schon anfangs erklärt sehr individuell gestaltet werden kann.

Dennoch hier mal das von mir erstellte Bild welches ich von unseren 4 Einzelbildern mit einem der vielen Programmen einem Tonemapping unterzogen habe :

ergebnisbild 02 - klein

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Mit dieser Anleitung sollte die Vorgehensweise einer korrekt erstellten Belichtungsreihe erläutert werden sodass man für ein anschliessendes Tonemapping-Verfahren (egal mit welcher Software) ein korrektes Ausgangsmaterial, bzw. korrekt belichtete Quellbilder zur Verfügung hat.

Denke mal das zumindest das Grundprinzip verständlich wurde und nun viele Einsteiger die sich mit HDR beschäftigen wollen nun den Unterschied zwischen dieser Vorgehensweise und einer schnell geschossenen automatischen 3´er-Belichtungsreihe (Bracketing) aus der Kamera selber erkennen und beurteilen können.

VIEL SPASS

button 03 - klein

 

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